St. Gallen geht auf das im 7. Jahrhundert gegründete Kloster des heiligen Gallus zurück. Um diesen geistlichen Mittelpunkt herum entwickelte sich eine mittelalterliche Stadtstruktur, die noch heute im Grundriss der Altstadt ablesbar ist. Die engen Gassen, die charakteristischen Erker an den Bürgerhäusern und die erhaltene Bausubstanz aus dem Spätmittelalter prägen das Bild der Innenstadt massgeblich.
Im 18. Jahrhundert erlebte St. Gallen durch den florierenden Textil- und Stickhandel eine wirtschaftliche Hochzeit, die sich auch baulich niederschlug. Repräsentative Kaufmannshäuser und öffentliche Bauten entstanden, und die Stadt erhielt einen bürgerlich-urbanen Charakter. Das heutige Stiftsbezirk-Ensemble, das 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, ist das bedeutendste architektonische Erbe dieser Epoche.
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs St. Gallen über die mittelalterlichen Grenzen hinaus. Gründerzeitliche Quartiere mit Mehrfamilienhäusern und Villen entstanden rund um die Altstadt, und öffentliche Bauten wie das Stadttheater und das Kunstmuseum prägen seither das städtebauliche Bild. Der Bahnhof St. Gallen, mehrfach umgebaut, markierte den Anschluss der Stadt an das moderne Verkehrsnetz.
Im 20. und 21. Jahrhundert wurde das Stadtbild durch funktionale Bauten, Schulanlagen und Wohnüberbauungen ergänzt. St. Gallen hat sich dabei um eine behutsame Integration moderner Architektur in das historisch gewachsene Gefüge bemüht. Gleichzeitig entstanden in Randlagen und auf ehemaligen Industriearealen neuere Wohn- und Gewerbeprojekte, die den Wandel der Stadt widerspiegeln.